Europameisterschaften Frauen in Tirana/Albanien (24.04.2026)
EM-Bronze bei den Frauen ist ein historischer Erfolg
Bei den Titelkämpfen der Frauen hat Naemi Leistner einen Erfolg erkämpft, der noch keiner anderen Athletin aus der Region gelungen ist. Und der ihr den Weg zu einem noch höheren Ziel ebnen soll.
THALHEIM/TIRANA – Als erste Ringerin aus dem Erzgebirge hat Naemi Leistner bei einer Frauen-Europameisterschaft den Sprung aufs Podest geschafft. Auch auf noch höherer Ebene hat die Drebacherin mit ihrer Bronzemedaille im albanischen Tirana Geschichte geschrieben. „Nach Anastasia Blayvas ist sie erst die zweite Athletin aus Sachsen, die es so weit gebracht hat“, sagt Landestrainer Florian Rau vom Leipziger Stützpunkt. Dort trainiert die 21-Jährige, die als Kind beim Zschopauer RV begann und seit vielen Jahren für den RV Thalheim startet. Von den Olympischen Spielen hat Naemi Leistner seither geträumt. Nun ist sie diesem großen Ziel einen Schritt nähergekommen.
Ein Ticket zu den Spielen im Jahr 2028 ist der Sportwissenschaftsstudentin noch längst nicht sicher. „Der Quali-Modus mit den Ranking-Turnieren beginnt erst nächstes Jahr“, erklärt Rau. Und doch ist er überzeugt, dass sich Naemi Leistner auf dem richtigen Weg befindet. „Sie ist eine der ganz Wenigen, die sich in der internationalen Spitze festgebissen hat“, sagt der Trainer und fügt hinzu: „Dieser Erfolg hat Eindruck hinterlassen.“ Bemerkenswert ist dabei, dass die Erzgebirgerin dieses Ausrufezeichen in der laut Rau am stärksten besetzten Gewichtsklasse bis 62 Kilogramm so zeitig setzen konnte. Schließlich ist sie gerade erst in die U 23 gewechselt und musste sich kürzlich bei den Europameisterschaften dieser Altersklasse mit Rang 5 begnügen. Ausgerechnet gegen die Polin, gegen die sie da den Kampf um Bronze verlor, begann Naemi Leistner nun in Tirana ihren Erfolgszug.
„Ich war diesmal gut auf diese Gegnerin eingestellt und konnte sie bei einem Angriff abfangen“, sagt die 21-Jährige über ihre per Schultersieg gelungene Revanche zum EM-Auftakt. Dank eines Achselwurfs legte sie anschließend im Viertelfinale auch eine Ungarin aufs Kreuz, immerhin eine ehemalige Jugend-Weltmeisterin. Zwar erwies sich im Halbfinale eine Kämpferin aus Russland als zu stark, doch brachen nach dem 5:2-Punktsieg im kleinen Finale gegen eine Athletin aus Aserbaidschan alle Dämme. „Da sind schon ein paar Tränen geflossen“, gesteht Naemi Leistner, die die Schlüssel zum Erfolg in ihrer Lockerheit und zugleich in ihrer Disziplin sieht: „Bei mir dreht sich alles um den Sport, wobei das Training nicht immer Spaß macht. Umso schöner, wenn man für diesen riesigen Aufwand belohnt wird.“
Andreas Bauer ("Freie Presse"), 27.04.2026. Fotos: UWW.











